Unser Heimatgebiet wird landschaftlich durch zwei naturgegebene Punkte charakteristisch geprägt: 1. durch den Dronbach und das von ihm ausgehöhlte tiefe Tal 2. eine teils unter, teils überirdische Felsenrippe aus Quarzitgestein, die von Westen in östlicher Richtung mitten durch das Dorf verläuft und sich in fast geschlossener Linie wie eine Mauer aus gewaltigen Quadern bis über die Hunolsteiner´ und Merscheider Gemarkung kilometerweit fortsetzt. Am höchsten und breitesten ist diese Felsenrippe am nord´westlichen Fuß des Dorfes Hunolstein, das auch daher seinen Namen hat. Der Ort Hunolstein liegt im geographischen Gradenetz 49' 48' OO" nördlicher Breite und O7' O2' 45" östlicher Länge und 449,5O Meter über NN ´ gehört kommunalpolitisch zur verbandsfreien Gemeinde Morbach. Der höchste Punkt der Gemarkung befindet sich auf dem Hanacker, der niedrigste mit 258,6O m über NN an der Gemarkungsgrenze zu Haag an der sogenannten Schafpuhl. Das Dorf kann als typisches Straßendorf bezeichnet werden. Der Ort selbst ist umgeben von drei Tälern: 1. Der Wahlholzbach 2. Der Dhronbach 3. Des Schalesbach Den Ortsmittelpunkt bildet "Häre´Eck". Von hier aus kann das Dorf in drei Ortsteile aufgeteilt werden. Es sind dies: 1. Das Oberdorf 2. Die Träf 3. Das Unterdorf. Im Jahre 1723 fand für den Ort Hunolstein eine Vermessung und Aufnahme des Grundbesitzes statt, diese teilt die Gemarkung wie folgt ein: I. Ackerland II. Wiesen III. Baumgarten und Krummetwiesen IV. Wiedt- und Rottland 756 m 65 r, davon Gemeinde Hunolstein 331 m 45 r Das Urkundenbuch und die Dörfer der Region Das von Toepfer herausgegebene Urkundenbuch erfaßt zwar vor allem die Geschichte der Vögte von Hunolstein, aber damit verbunden ist mehr oder weniger stark auch die Situation und die Entwicklung der ganzen Region vom 13. bis zum 16. Jahrhundert. So kann man beispielsweise feststellen, daß alle heutigen Ortsbezirke der Gemeinde Morbach im Toepfer mindestens einmal, meistens jedoch mehrmals erwähnt werden. Zugegeben, zunächst einmal wird man stutzen, wenn man Ortsnamen wie"Ermzroth" (= Elzerath) im Jahr 1277, "Raperorde" (= Rapperath)1278, "Hucsor" (= Hoxel)1281 oder "Huntzerait" (= Hinzerath) im schon erwähnten Weistum von 1315 liest. Diese irritierend wirkenden Namensliste läßt sich fortsetzen: "Odinrot" = Odert, "Wengerait" =Wenigerath, "Wereit" =Wederath, "Wiperoth" = Weiperath, aber auch "Berinkastele" = Bernkastel und "Munciruile"= Monzfeld usw. Doch bei häufigerem Lesen der älteren Texte kann man sich durchaus auf bestimmte Besonderheiten einstellen. Wenn man beispielsweise weiß, das ein "u" manchmal ein "v" vertritt, einen "f´Laut" also, dann wird bei "Woluisberg" schon "Wolfisberg" gelesen (1281) und kaum noch überrascht sein, wenn bald auch die Schreibweise "Wolffesberg" (1315) auftaucht ´ es geht um das Dorf Wolzburg! Etwas schwieriger wird es bei Namen der Orte, die es heute gar nicht mehr gibt. Eine ganze Reihe solcher sogenannten "Wüstungen", also untergegangener ehemaliger Siedlungen, ist im Toepfer zu finden, so etwa die Orte "Gandanc", "Lampersberg", "Mensperc", "Lenzuren", "Aldenmorscheyt" (bereits 1327 so genannt), aber auch beispielsweise der zwischen Bernkastel und Trarbach zumindest im 13. und 14. Jahrhundert existierende Ort "Thanerß", der für die Herkunft des Familiennamens Thanisch verantwortlich gemacht wird. Ortsname Hunolstein Namensentwicklung: Heute: Morbach Ortsteil Hunolstein In lehrreicher Weise läßt sich eine aus dem Urkundenbuch (Toepfer) geschöpfte Blumenlese von zwei lateinisierten, elf französisch und 52 deutschen Formen erkennen. Die ersten beiden sind "Hunaudi petra" (122O) und "Hunoldipetra" (1225 und 123O) Die Anfangssilben lauteten im Mittelalter "Hunwald" beziehungsweise "HunoltÓ, was gleichbedeutend mit dem heutigen "hochragend" übersetzt werden kann. Das ursprüngliche und richtig geschriebene Wort "Hunolstein" heißt demnach hochragender Stein. Im 17. und 18. Jahrhundert heißt es in der Regel "Hunnstein" oder "Hoenstein", entspricht "hoher Stein". Der im Volksmund heute übliche Ausdruck ist "Hunschde" Hunol(d)stein oder "Hoenstein"? Orts- und Familiennamen zu deuten hat meistens einen großen Reiz. Bei jahrhundertealten Namen sind fast immer mehr oder weniger starke Veränderungen des Namens zu beobachten. Auch bei "Hunolstein" kann man eine Vielzahl von unterschiedlichsten Schreibweisen (deutsch, lateinisch und französisch) feststellen: Hunolsten, Hunolstein (schon 1199/1200!), Hunoldestein, Hunelstain, Hunoldisteyn, Hoonoltsteyn, Hunalstein, Hennostein, Honstein, Hundestein, Hunaudi petra, Hunoldipetra, Henaupiere, Hannapiere, Hanalpiere, Hanaipiere ´ die Reihe ließe sich noch um zahlreiche Varianten erweitern. Ein Bestandteil des Namens, nämlich "-stein", läßt sich sicher eindeutig als Hinweis auf den Sitz der Familie erklären, der sich mit dem Bau der Burg auf einen Felsen, auf einen für die hiesige Region typischen sogenannten Wacken befand. Ob allerdings dieser Fels auch namengebend war oder vielleicht ein ganz anderer andernorts, das läßt sich heute wohl kaum noch klären. Sollte es nämlich zutreffen, da§ der Name schon um 1190 längst existierte, dann bleibt offen, ob das Geschlecht der Hunolsteiner wirklich von Anfang an auf "dem Hunolstein" an der Dhron zu Hause war. Der erste Teil des Namens ist erst recht interessant, denn wenn man diesen mit "hoch", dem hochgelegenen Felsen eben, erklärt, dann bleibt zu fragen, warum und mit welcher Bedeutung in den älteren Urkunden die Bezeichnung "hunol" bzw. "hunold" überwiegt. Selbst mit einer Figur der germanischen Sage, dem Recken Hunoldt(d), wurde der Name in Verbindung gebracht. Allerdings wird auch dem Wort "hunolt" die Bedeutung "hochgelegen" beigegeben. Erst wesentlich später wird die mundartliche, heute noch in der Region gebräuchliche Bezeichnung mit dem Hinweis auf den hohen Stein (hunsten, honsten, hoenstein usw.) häufiger. Ganz eindeutig ist, daß das Dorf Hunolstein, um dessen Alter es ebenfalls große Fragezeichen gibt, den Namen von der Burg und vom Geschlecht der Hunolsteiner übernommen hat. Ältere Deutungen, das Dorf Hunolstein sei erst nach dem 30-jährigen Krieg entstanden, sind überholt. Selbst im Toepfer (Band III, Seite 119) wird in einem Verzeichnis der vogtischen Dörfer für das Jahr 1561(!) Hunolstein genannt. II. Das Dorf Hunolstein So alt und berühmt die Burg HUNOLSTEIN war, dem Erzbischof von Trier gehörte sogar das DORF HUNOLSTEIN, das erst sehr spät entstand, da es in den Urkunden nicht genannt wird, wie doch alle andern Dörfer ringsum schon um das 12. Jahrhundert herum. Im Umkreis der Burg von einem Kilometer dem sogenannten Burgfrieden, war es für jedermann streng verboten bei schweren Strafen, die ihm sonst drohten, sich häußlich etwa dort niederzulassen. Da ließen die Vögte nicht mit sich spaßen. Nicht weit von der Burg lag wohl ein Dorf, von dem in den Urkunden oft die Sprache ist: Lampersberg ´ so wird es da genannt und war im Mittelalter wohl bekannt. Hinter dem Heilighäus'chen fing es an, das man damals St. Kathrinenkreuz nannte und lag in der heutigen Flur Lampersberg. Aus heutiger Sicht würde man es ein bißchen spöttisch mit seinen zehn bis zwölf Häusern als Kuhdorf bezeichnen. Doch größer war damals nur selten ein Ort. Daß es so nahe der Burg zu liegen kam, brachte ihm für wahr keinen Segen. In den vielen Fehden, die die Vögte ausfochten, wobei sie auf ihre Ehre stets pochten, mußte das Dorf am meisten leiden. Weil es ungeschützt, geradezu einladend nach allen Seiten seine Schätze darbot, wurde es oft geplündert und zerstört. Die Bewohner verloren Hab und Gut. Voller Wut über die Selbstbedienung allzu habgieriger Besucher wollten sie nicht mehr dort wohnen bleiben. Hierüber schweigen sich die einschlägigen Urkunden zwar aus, was aber so gut wie sicher erscheint und in späteren Vorgängen seine Bestätigung findet. Urkundlich wird unser Dorf in Steuerlisten genannt, die, wie wohl bekannt, die Veranlagung aller Bewohner enthielten. Die aus dem Jahre 1624, zwar schon vergilbt und etwas franzig, aber doch noch ziemlich gut leserlich, gewährte einen Blick in die Vergangeheit. Von 14 Familien ist die Rede, die den damaligen Dorfbestand bildeten. Wie das Dorf Hunolstein entstanden ist: Franz von Sickingen hatte wahrscheinlich, als er von der Burg abzog, so eilig das Dorf Lampersberg aus Wut zerstört. Entrüstet über das Vorgehen des ungnädigen Adelsmann verlangten die Bewohner vom Erzbischof als Burgherrn empört, daß sie im Schutz der Burg wohnen wollten, hatten sie doch ihr Unglück dem alten Gemäuer zu verdanken. Sie drohten sogar anderswohin zu ziehen, wenn er ihrer Bitte kein Gehör verliehen hätte. Schließlich gestattete man ihnen, was ein Vogt früher niemals gewährte, nämlich ihre Häuser jetzt bei der Burg zu bauen, so daß sie bei Gefahr in den schützenden Mauern Schutz suchen konnten. Um 1522 trug sich dieses zu und so hatte man nun für ein Jahrhundert Ruh. So ist mit großer Wahrscheinlichkeit Hunolstein entstanden in jener Zeit. Das größte Unglück aber überkam, als jener Krieg seinen Anfang nahm, der 30 Jahre lang Deutschland verwüstete, und da es die Franzosen auch gelüstete sich mit den Feinden des Kaisers zu verbünden, die doch zumeist aus religiösen Gründen jenem so feindlich waren gesonnen und ihre Kriegspläne hatten gesponnen. Da sind die Franzosen vereint mit den Schweden, bei deren Namen es gruselt noch jeden, eingefallen in unser Gebiet, wovon man lang sang ein traurig Lied. Von Unmenschlichkeit und Grausamkeit, das noch nachklang sehr lange Zeit. Noch ist der Schwedentrunk nicht vergessen, mit dem man sich hat teuflich vermessen die armen Menschen zu Tode zu quälen oder sie aufzuhängen an Pfählen. Um das Jahr 1635 es wohl war, als eine schwedisch-französiche Heerschar heimsuchte unser Trierer Land, das als katholisch war bekannt. und diesem Glauben die Treue hielt, weil man ja sonst hätte alles verspielt. Darum wüteten jene besonders hier mit teuflicher Raub- und Mordgier, zerstörten Dorf und Burg Hunolstein und die Dörfer fast alle groß und klein, so daß seitdem viele sind untergegangen da jene Zeiten viele Menschen verschlangen. Die Häuser, die auf dem Schloßfels standen, in denen sich auch wohl Schätze befanden, wurden bis auf den Grund zerstört und das Unterste zu oberst gekehrt. Aus den Trümmern dieser Schloßgebäude bauten die übriggebliebenen Leute ihre zerstörten Häuser wieder auf in dem folgenden traurigen Zeitenlauf. So verschwand auf dem Felsen fast alles Gemäuer ´ das war für die Leute wahrlich nicht teuer ´ Nur einige Reste blieben noch stehen, an denen man heute kann deutlich sehen, daß das Felsmassiv übermauert war was unglaublich erscheint fürwahr. Dorf Hunolstein Hunolstein ist ein kleines Hunsrückdorf. Am 31. Dezember 1991 hatten 244 Einwohner dort ihre Hauptwohnung, vor 150 Jahren, nämlich 1843, waren es noch 380 Bewohner im Dorf und 13 auf dem Hunolsteiner Hof. Wer den Ort von der Hunsrückhöhenstraße aus erreicht, gelangt durch eine einladende Baumallee zu den ersten Häusern. Das ganze Dorf vermittelt einen sehr gepflegten Eindruck. Während der Kundige den Weg zur Burgruine leicht findet, wird der Fremde unter Umständen gänzlich unerwartet auf hohe Felsen und alte Mauerreste aufmerksam. Besonders eindrucksvoll ist beim Besteigen der Felsen der anschließende Blick in die nähere und weitere Umgebung. Im Tal liegt die Schülersmühle, vielleicht die bereits 1264 genannte Burg, zur Burg Hunolstein gehörige Mühle. Jenseits des Tales erkennt man vor allem am Kirchturm den Nachbarort Haag. Seinen Namen erhielt der Ort von Vorfahren einer heute noch existierenden Familie mit außergewöhnlicher Geschichte. Erstmals urkundlich nachgewiesen ist diese Familie in einer lateinischen Quelle "Datum anno domini M. C. LXXXX. secundo", also gegeben im Jahr des Herrn 1192! Die oben genannte Urkunde ist aufgrund ihrer Datierung der Anlaß der "800 Jahr-Feier Burg Hunolstein" mit einem umfangreichen Festprogramm vom 26. ´30. Juni 1992. Auch wenn bei dieser Urkunde wahrscheinlich die Datierung gefälscht wurde ´ ein in jener Zeit keineswegs ungewöhnliches Vorgehen ´, so ist doch aufgrund der weiteren Belege das Geschlecht der Hunolsteiner und die Existenz einer Burganlage vor 1200 als gesichert vorauszusetzen. In wenigen Jahrzehnten wurden die Herren von Hunolstein zu einem einflußreichen, mächtigen Geschlecht. Der erwähnte Hugo wird bereits in einer Urkunde von 1199/1200 "aduo-catus de hunolstein" genannt. "Advokat" ist im Lateinischen der Begriff, der dem deutschen "Vogt" entspricht. Als Beauftragter des Trierer Erzbischofs hatte der Vogt von Hunolstein die Verpflichtung, die Bewohner in seinem Vogtbezirk, der Vogtei, zu schützen und das Recht, Gericht abzuhalten und Abgaben einzunehmen. Als Vögte sollten die Hunolsteiner in den folgenden Jahrzehnten eine entscheidende Rolle in der Geschichte unserer Region spielen. Anlaß der Feier in Hunolstein In einem Vertrag über Weiderechte andernorts sind bei einer Viehlzahl von Zeugen auch "Hugo et Wernerus de Hunolsten", also "Hugo und Werner von Hunolstein" genannt. Von dieser Zeit an häufen sich die Nennungen der Familie in einer solchen Fülle, daß Toepfer im vergangenen Jahrhundert jene drei Quellenbände benötigte, um diese Materialien der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Burganlage 1522 nicht zerstört In der weiteren Entwicklung Hunolsteins bleiben manche Fragen offen, so auch die nach der Zerstörung der Burganlage. Die Unterlagen bei Toepfer kann man jedenfalls so deuten, daß Franz von Sickingen mit seinen Truppen im Herbst 1522 die Burg Hunolstein nicht zerstört hat! Dafür sprechen auch andere historische Belege und Bauakten jener Jahre und die bekannte Ansicht der Burg auf einer Wald- und Grenzkarte Ende des 16. Jahrhunderts. Allerdings hat Franz von Sickingen auf dem Rückzug von Trier, wie einst im Urkundenbuch aufgeführte Schadensliste von 1522 beweist, mit seinen Truppen im "Wueß Hunolstein" kräftig "zugelangt". Der Schlußteil zum Urkundenbuch behandelt einige besondere Themen aus Geschichte der Hunolsteiner, wie Fehden mit Speyer, Beziehungen zum Kueser Hospital und den Bergbau im 15. Jahrhundert. Spurensuche zwischen Hunolstein und Baldenau Das Geschlecht der Vögte von Hunolstein ist keineswegs nur lokal oder regional in Erscheinung getreten. Die Familie hat im Verlauf der Jahrhunderte viele europäische Landstriche betreten und in manchen Fuß gefaßt. Bereits im sogenannten Balduineum, einer Urkundensammlung des 14. Jahrhunderts aus der Herrschaft des Trierer Erzbischofs Balduin, auf den auch der Bau der Baldenau zurückgeht, sind die Hunolsteiner Vögte als aktive Teilnehmer des Romzuges Heinrich VII. erwähnt. Dieser König und spätere Kaiser aus dem Hause Luxemburg war Balduins Bruder. Das Hunolsteiner Wappen ist sowohl auf der Darstellung der Seefahrt von Genua nach Pisa wie in einer Kampfszene zu sehen. Das mittelalterliche Fehdewesen entsprach wohl mehr dem damaligen "ritterlichen" Alltag als unsere romantische Vorstellung von Turnieren, wie auch ein Ausschnitt aus der Geschichte der Hunolsteiner Vögte zeigt. Eine Dorfordnung Dorfordnung erlassen zu Ehrenbreitstein am 6.10.1742 von Kurfürst Franz Georg von Trier für sämtliche Dorfschaften der Ämter Bernkastel, Baldenau und Hunolstein vom 6. Oktober 1742. 1. Da in den Gemeindewaldungen heimlich Holz gehauen und heimgefahren, in den Wiesen mutwillig Gras abgeweidet und in den Ackern an der Frucht übergroßer Schaden verursacht wird und man täglich nichts als immerwährende Klag´ und Hand´Händel mit größtem Verdruß anhören muß, wird zu jeder Gemeinde Nutz und Besten folgende Dorfordnung gegeben: 2. Ein jeder, wer es auch sei, soll den katholischen Gottesdienst fleißig besuchen und von jedem darauf gesehen werden, daß während desselben nichts Unzulässiges, keine Hand- oder andere Arbeit den ganzen Sonn- und Feiertag vorgenommen, daß spielen, fressen, saufen vermieden, während des Gottesdienstes keine Zech-Gäste sich hinsetzen und von den jungen Burschen und Knechten mit dem Kegelspiel bis nach dem Nachmittags Kirchgang gewartet werde und der Sonn- und Feiertag so gefeiert werde, wie es Gott und die Kirche befohlen hat. 3. Sollen von jeder Gemeinde so viele Flur- und Büsch-Förster jedes Jahr um Martini ausgesucht und gewählt werden, als zur Hütung der Büsche, Wälder und Wiesen nötig sind; und wenn mit der Aussuchung dieser Büsch- und Flur-Förster die Gemeinde-Leute nicht einig werden können, so soll mit diesem Amt oben im Dorf der Anfang gemacht und alljährlich der Reihe nach damit fortgefahren werden, bis alle Einwohner ein solches Amt versehen haben; die also bestimmten Büsch- und Flur-Förster sollen:

Dorfweise nach Bernkastel zum Amt kommen, um daselbst den Förster-Eid abzulegen. Was den Lohn der Bannhüter und Förster angeht, da sie ja ein solches Amt wegen Versäumnis an Zeit und Arbeit nicht umsonst versehen können, es soll: 4. Denselben von jedem Gemeindemann eine Korngarbe jährlich zur Erntezeit gereicht und den Flurförstern von jeder Pfändung bei 6 alb und bei der Nacht oder an Sonn- und Feiertagen während dem Gottesdienst 9 alb von den betroffenen Frevlern bezahlt werden. 5. Die Übertreter nicht nur den durch die selbst oder die ihrigen geschehnen Holz-und Feldschaden ersetzen, sondern werden dazu noch mit gebührender Strafe belegt. 6. Damit wegen der Zahlung des Schadens kein Streit entsteht, so sollen die Förster den angerichteten Schaden sofort auf der Tat anzeigen, damit der Geschädigte sich in Güte mit dem Täter vereinbaren, oder der Eigentümer den ihm zugefügten Schaden durch zwei unparteiische Männer abschätzen lassen und sodann den Täter zu dessen Vergütung beim Amt anhalten könne. 7. Wenn schon die Büsch- und Feld-Förster ohnehin verpflichet sind, ihr Amt fleißig und eifrig zu versehen, so sollen um dieselben noch fleißiger und eifriger zu machen, die Förster, wenn sie den Täter nicht angeben können, den Schaden selbst vergüten und bezahlen. 8. Da auch dem Vernehmen nach einige, wenn sie in den Feldern und Wiesen zum Schaden anderer weiden, oder im Gebüsch Holz hauen, und sehen die Förster kommen, nicht nur mit dem Vieh davon rennen und laufen, sondern sich sogar unterfangen, die Förster mit allerlei Schimpfereien anzufallen, ja sogar mit Schlägen tractieren, so sollen diese nicht nur die in Paragraph 4 vermerte Strafe entrichten, sondern werden noch mit einer aparten Buße belegt, da die Hüter nicht nötig haben, den Tätern nachzulaufen oder sich mit ihnen zu zanken, sondern genügt es, wenn sie die Übertreter mit Vor- und Zunahme angeben können. 9. Soll jeder Gemeinde-Mann sein eigenes oder in Lehnschaft habendes Vieh Rind- Zug- Schaf- und alles andere Vieh zu derjenigen Gemeinde Herde, zu der es gehört, zu hüten geben, also Kühe bei Kühe, Ochsen bei Ochsen, Pferde bei Pferde, Schafe bei Schafe, Schweine bei Schweine treiben, au§er wenn selbiges krank ist; bei Strafe von 6 alb. 10. Die sogenannten Schörling und Säug-Füllen sollen mit Halftern auf die Weide geführt und gehütet werden, damit kein Schaden entstehe bei Strafe von 12 alb. 11. Ferkeln von Schweinen sind entweder im Stall zu halten oder an solchen Orten zu hüten, wo kein Schaden verursacht wird und zwar durch lieferhaftige Hirten und nicht durch Kinder bei Strafe von 12 alb. 12. Die im Dorffrieden längs der Straße liegenden Gärten, Perschen, Bungerte und Wiesen sind jährlich um Gertrudentag gut zumachen, und ist die Umzäumung durch den Zehnder und Feldförster zu besichtigen, bei Strafe von 9 alb. Wer vorsätzlich und mutwillig einen Zaun zerhauet oder aufreißt, soll neben dem zu taxierenden Schaden 36 alb Strafe zahlen. 13. Wer an der Reihe ist das Vieh zu hüten, soll einen liefer haftigen Hirten stellen, der imstande ist, das Vieh zu zwingen, widrigenfalls er den vorkommenden Schaden ersetzen und daneben eine Buß von 36 alb zahlen muß. 14. Da bei einigen die böse und liederliche Gewohnheit eingeschlichen ist, das Vieh halbe und ganze Nächte herumlaufen zu lassen, statt es in den Stall zu tun, wodurch viel Schaden entsteht, soll der Bürgermeister das herumlaufende Vieh als verpfändet soheimtreiben zu sich, bis die verhängte Strafe von 1 Gulden und die eventuelle Fütterung vergütet ist. 15. Solle sich keiner mit schneidenden und sonst schädlichen Gewehren (Waffenbei der Gemeinde treffen lassen bei Straf von 12 alb. 16. Wenn der Bürgermeister die Gemeinde durch Boten oder Glockenstreich zusammen rufen läßt ´ es sei bei Tag oder bei Nacht soll keiner ohne dessen Vorwissen oder Erlaubnis ausbleiben, sondern längstens nach einer Viertelstunde sollen alle beisammen sein, und sollen keine Kinder oder Weiber geschickt werden, es seien denn Witfrauen; Strafe von 9 alb. 17. Es haben sich auch bisher bei den Geindezusammenkünfte allerlei Schmäh- und Scheltworte zugetragen, besonders pflegen die jungen Bürger gegen ihre alten Mitbürger mit groben Worten loszufahren, zur Verhütung dessen soll hierfür der Bürgermeister abstimmen lassen, bei den älteren Bürgern anfangend und dann für rechtlich beschließen, wer hernach davon anders redet, der soll zahlen 12 alb und soll niemand mehr den andern an seiner Ehre antasten oder Lügen strafen bei Strafe von 36 alb. 18. Wer dem, was durch die ganze Gemeinde oder der Mehrzahl beschlossen wurde, zuwider handelt, soll 36 alb Strafe zahlen. 19. Wenn etwa bei Tag oder Nacht ein Einfall im Dorf geschehe oder sich jemand unterstände mit einem Nachbarn Schlägerei oder sonstige grobe Händel anzufangen und der Beleidigte hätte um Hilfe gerufen, so soll ein jeder mit seinem besten Gewehr herzulaufen, Abwehr und Hilfe leisten, wenn jemand ohne erhebliche Ursache es unterläßt, soll um 36 alb gestraft werden. 20. Es ist verboten Holz, Fuder, Stroh Hanf, Flachs und dergleichen in die Stube, Küche oder sonst an Orte zu legen, wo Feuergefahr besteht, und wo man bei Nacht mit dem Licht hinzugehen pflegt bei Strafe eines Goldgulden. Damit dieser Vorschrift besser nachgekommen werde, sollen die Bürgermeister mit zwei anderen Gemeinde-Vorstehern jeden Monat von Haus genau visitieren, die Übertreter mit Vor- und Zuname aufschreiben und zum Amt einschicken. 21. Ausbesserungen an Wegen und Stegen . . . Wer nicht zur rechten Zeit erscheint, soll 6 alb, wer ganz ausbleibt, 12 alb zahlen. Dazu dem, der an seine Stelle bestellt wird, den Lohn geben. 22. Zur Verhütung von Feuerschäden soll der Zender und Gemeinde-Vorsteher jährlich wenigstens dreimal alle in dem Dorf befindlichen Feuerstätten, Schornsteine, besonders aber die Stuben und Backöfen, die Schornsteine der Schmieden genau visitieren, die nachlässigen Haushaltungen namentlich dem Amt zur gehörigen Bestrafung melden. Würden Schornsteine und Backöfen dabei gefunden, die eine Brangefahr bilden, so hätten sie solche auf der Stelle ein- u. niederzureißen. 23. Die Gemeinde-Brunnen und Viehtränken müssen rein und sauber erhalten werden; soll sich keiner unterfangen etwas Unreines oder sonstigen Unflat in denselben zu waschen oder hineinzuschütten bei Strafe 1 Gulden. 24. Wer von der Gemeinde Holz, Gras oder dergleichen kauft oder steigert, soll die Zahlungstermine richtig einhalten, sonst soll ihnen die Gemeinde geschlossen und ihnen kein Gemeindenutzen gewährt werden, bis sie alles richtig gezahlt haben. 25. Mit den Gemeindewaldungen und Gehölz soll möglichst rätlich und sparsam umgegangen werden; das nötige Bau- und Brennholz ist anzuweisen. 26. Niemand soll bei Tag oder Nacht Feuer öffentlich, sondern wohlverwahrt aus des anderen Haus tragen, besonders nicht bei der heißen Sommerzeit und bei starkem Wind; nicht mit brennenden Strohfakkeln oder Pfannen über die Gasse oder ohne Laterne in dei Viehställe, Scheunen, Schoppen oder sonst feuergefährliche Orte gehen. Strafe 1 Goldgulden. 27. Wenn nur ein kränkliches oder schädliches Vieh bei der Gemeindeherde festgestellt wird, sofort dem Zender oder Vorsteher anzeigen. 28. Der Dorfbürgermeister soll die Strafen, die der Gemeinde anheimfallen, fleißig eintreiben, getreulich unter schwerer Strafe verrechnen oder zu nötigen Bauten mit Wissen und Willen der Vorsteher verwenden und darüber Rechnung legen. 29. Was die bei den Gemeinde-Leuten bisher üblichen Gemeinde Trinkgelage angeht, so soll zwar den Gemeinden solche Zehrung, wenn sie nicht übermäßig und zu excessiv ist, nicht angesprochen werden, aber es sollen diejenigen, die mit sehr großen Injurien gegeneinander ausfahren oder sonstige Excesse begehen, angezeigt werden. 30. Die Hühner sollen gegen St. Johannis Babtista-Tag, wenn die lieben Feldfrüchte zu zeitigen anfangen, dergestalt im Dorfe gehalten und verwahrt werden, daß sie keinen Schaden an den Feldfrüchten machen. Widrigenfalls können sie auf dem Feld totgeschossen werden. 31. Gegenwärtige Dorfordnung ist nach Erhalt gebührend bekannt zu geben und in jedem Jahre der Gemeinde vorzulesen. Ausgrabungsfunde Als im Jahre 1931 die Straße Hunolstein-Morbach, die durch den noch heute so benannten Flur "Lampersberg" führt, erweitert und zeitgemäß ausgebaut wurde, stieß man bei den Ausschartungsarbeiten auf die Grundmauern eines römischen Gebäudes, über das ein Vertreter des Rheinischen Landesmuseums Trier folgenden Bericht abfaßte: "Es handelt sich um ein Nord-Süd orientiertes Gebäude von 28,33 Meter Länge und 9,50 Meter Breite mit einigen Zwischenmauern. Die westliche Außenmauer, erbaut aus Schieferstein mit schlechtem Kalkmörtel, war noch 0,75 Meter hoch erhalten von 0,75 beziehungsweise 0,85 Meter Stärke und lag 0,25 Meter unter heutiger Geländeoberfläche. Die nördliche Abschlußmauer war noch 0,70 Meter breit. Im Innern des nördlichen Raumes bildete der anstehende Schieferfels die Raumsohle. Auf der Raumsohle lagen Spuren einer 10-20 Zentimeter starken Brandschicht Holzasche. Die Schicht enthielt an Fundstücken: mehrere spätrömische Scherben, eine Angelpfanne aus Jurakalk, mehrere römische Ziegelplatten und einen Eisenschlüssel von 7,8 Zentimeter Länge. Über der Aschenschicht lagerte ein starker Mauerabbruch. Aus diesem Schutt wurden geborgen: ein doppelhenkliger Krug ´ Mittelalter ´ und einige mittelalterliche Scherben." Ist dieser Fund aus römischer Zeit auch ein klarer Beweis für das hohe Alter des Ortes Lampersberg, so ist es um so bedauerlicher, daß er abgesehen von dem Flurnamen spurlos vom Erdboden verschwunden ist. Nicht spurlos verschwunden aber sind die ehemaligen Bewohner von Lampersberg, sie leben in ihren Nachkommen weiter, die sich nach dem 30´jährigen Krieg in dem jetzigen Unterdorf von Hunolstein ansiedelten, wo sie noch Mauern an Ort und Stelle reichlich vorfanden. So entstand erst im 17. Jahrhundert das Dorf Hunolstein. Hunolstein im Juni 1960 J. Knob,Pfr.i.R. Weitere Quellen: Tr Zs. 7, 1932, Seite 179 Ausblick Die Urkundenbücher bilden eine unerschöpfliche Quelle zur Regionalgeschichte, ob es um die erste Nennung des "Stumpfen Turmes" bei Hinzerath (1400) geht, um verschiedene wichtige Weistümer, um die Kapelle zu "sent Coenen" (St. Kuno in Morscheid-Riedenburg, 1466), um die Kontakte der Vögte mit den Erzbischöfen, mit Bernkastel, mit Veldenz, um die Höfe "Conzenbusch" oder "Rauch", um die Heiratspolitik derer von Hunolstein oder um zahlreiche andere interessante Themen: im Toepfer wird man fündig. Burg Hunolstein In einen vielbändigen, bekannten Lexikon, dem in Leipzig und in Halle in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erschienenen Zedler, heißt es im Band 13 von 1735 zu "Hunolstein": Eine Stadt(!), Schloß und Herrschaft im Bißthum Trier, 4. Meilen vun der Stadt Trier , davon eine Freyherrliche Familie den Titel führet. Sie soll von den Hunnen erbauet worden sein. Hunolstein als Stadt ´ so ganz undenkbar schien das im 13. und 14. Jahrhundert keineswegs, vor allem als unter Kurfürst Balduin, auch Baldenau genannt, der Ort vorsorglich mit Stadtrechten ausgestattet wurde, ohne das sich jemals auch nur der Anfang einer städtischen Entwicklung beobachten ließe. Und trotzdem heißt es bei Toepfer im 1. Band, der Erzbischof Balduin habe Johann von Adewilre, genannt von Hunolstein (als hunolsteinischer Burgmann), auch zum Burgmann seiner Stadt und Burg zu Baldenau gewonnen. Eine Burgsiedlung über die Burgmauern hinaus und innerhalb des Burgfriedens, ja sogar in unmittelbarer Nähe der Mauern, und damit eine Entwicklung hin zum Dorf Hunolstein, sollte man bereits für die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts nicht ausschließen. In einer Verkaufsliste von 1382 wird in einer Reihe, die ansonsten ausschließlich Dörfer nennt, auch Hunolstein (ohne den Begriff Schloß oder Burg) aufgeführt. Ebenfalls im 2. Band der Urkundenbücher heißt es zum Verkauf der Hälfte der Herrschaft Hunolstein am 23. September 1398: halbteyl mins vurgeschrieben slosses vnd burge vnd des dales zu Hunolstyn! Ein "dal", "dael", "thal" usw. ist eine dorfähnliche Siedlung unterhalb einer Burg (siehe Thalveldenz), wie sie auch in Hunolstein existiert. Die älteste Darstellung der Burg stammt von 1591. Während eines jahrzehntelangen Streites um Wald und Straßengrenzen zwischen Kurtrier und Sponheim, wurden 1581 und 1591 zwei hochinteressante, großformatige Karten des Waldgebietes um "die hangende birck" angefertigt. Auf der jüngeren Karte sind die Burgen Allenbach, "Birkenfeldt" und "Hoenstein" (Hunolstein als kurtrierischer Besitz) dargestellt. Die Karten selbst sind nicht mit Jahreszahlen versehen. Das Exemplar mit den Burgen wird auf das Jahr 1591 datiert. Da diese Burgen auf der Karte lediglich eine symbolische Aufgabe haben, bleibt die historische Genauigkeit in der Darstellung ungewiß. Burganlage Hunolstein Hätten es die Menschen vermocht, ihre Beziehungen stets friedlich zu regeln, die Produkte ihrer Hände Arbeit sowie ihre geistigen Güter freundschaftlich und gerecht auszutauschen, in gegenseitiger Achtung zu leben, so gäbe es vermutlich keinen Stoff zu dieser Abhandlung.

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