Die Burg zu Hunolstein


Aus einer achthundertjährigen Vergangenheit ragen die Reste einer Burganlage in unsere Zeit hinein als Denkmal einer langen und wechselvollen Geschichte, die fast in Vergessenheit geraten ist. Es ist die Burg Hunolstein bei dem gleichnamigen Dorf, dessen Schicksal mit dem der Burg eng verbunden ist. Die Geschichte der Vögte, Freiherrn und Grafen von Hunolstein. Vorgeschichte: Die Vogtei im Mittelmoselraum gelangte im 12. Jahrhundert als Rechtsnachfolger der alten Luxenburger Gaugrafen in den Besitz der Grafen von Blieskastel. Die Grafen von Castel hatten als Nachfolger der Grafen von Luxemburg im heutigen Kreis Bernkastel (Baron-chateaux) ausgedehnten Besitz. Das Gebiet des jetzigen Kreises Bernkastel war den Grafen um das Jahr 1000 als Vogteibezirk übertragen worden und zwar vom Erzbischof von Trier, der Landesherr war. Die Grafen von Castel versahen im Auftrage des Erzbischofs das Vogtamt in diesem Bereich. Entstehungszeit der Burg Nach bisherigen Erkenntnissen wurde die Burg von Graf Follmar II. von Blies-Castel um 1190 errichtet. Eine Gründungsurkunde über die Burg ist leider nicht vorhanden. Da er selbst im Schloß Castel wohnte, setzte er auf die Burganlage die Vögte von Hunolstein als seine Vasallen ein. Die Vögte von Hunolstein werden ab 1192 als Lehensleute der Grafen von Blieskastel, genannt. Es waren dieses Hugo gen. Spieß, und Werner Klugheit, die es, verbunden mit Sparsamkeit, ermöglichten, daß ihre Nachfolger sich in den Besitz der Burg und Herrschaft setzen konnten. Die Burg Hunolstein sollte als Stützpunkt zur Sicherung des Gebietes dienen, nutzte aber leider auch einem ärgerniserregenden Mißbrauch der von den Vögten ausgeübten Herrschaft, indem sie die Bewohner zu Frondiensten und Abgaben zwangen. Von ca. 1200 ab, lassen sich die Vögte von Hunolstein als Nachkommen von Hugo und Werner in geschlossener Linie und den veschiedenen Abzweigungen bis in die Gegenwart nachweisen. Von Hugo mit dem Beinamen "Spieß" leiten sich die eigentliche Stammlinie zu Hunolstein und die Neumagener Linie ab, während die Nebenlinie Züsch wohl auf Werner zurückgeht. Urkundliche Erwähnung finden die o. g. erstmals im Jahre 1192. In einem Schlichtungsverfahren des Erzbischofes von Trier werden sie als Zeugen genannt. Ihrem Namen "von Hunolstein", d. h. "vom hohen Stein" entsprechend, sollen die Vögte aber schon vor Erbauung der Burg ihren Wohnsitz in Hunolstein gehabt haben. Ihr früherer Wohnsitz soll der heute sogenannte "Alwerichkopf" gewesen sein, der ganz nahe beim Dorf liegt und eine östliche Fortsetzung des Burgfelsens bildet. In den Urkunden heißt dieser Kopf "Altburgskopf", woraus abgeleitet werden kann , daß hier eine Burg gestanden hat. Bekanntlich waren die ersten mittelalterlichen Burgen keine Stein-, sondern Holzburgen und bestanden aus einer Erdbefestigung und einem Wohnhaus aus aufgeschichteten Holzstämmen, deren es bei der damaligen Rodungen der ausgedehnten Wälder reichlich gab. Als 1237 Graf Heinrich von Blieskastel ohne Söhne starb, teilten sich seine Witwe Agnes und seine Töchter das Erbe. Zum Zeitpunkt des Todes des Vaters waren zwei von ihnen, Loretta und Mathilde, noch ledig. Graf Heinrich hatte zu ihrer Versorgung die Herrschaft Hunolstein bestimmt und noch zu Lebzeiten die Burg Hunolstein als trierisches Lehen dem Erzbischof Theoderich aufgetragen, der sie mit Zustimmung seines Lehnshofes in Koblenz am 2. Januar 1238 wieder an die beiden Töchter vergab. Um das Gesamterbe kam es jedoch bald in der Familie zu Zerwürfnissen. Als sich die beide jüngsten Töchter vermählten, erhielten beide als Mitgift je die Hälfte von Burg und Herrschaft Hunolstein zugesprochen. Am 19 August 1282 verspricht in einem Vertrag Nikolaus Vogt von Hunolstein dem Grafen Heinrich von Salm für 1000 trierische Pfund Pfennige das Schloß Hunolstein wieder zurückzugeben. Am 1. Juni des Jahres 1296 verkauft Johann Graf von Salm dem Nikolaus Vogt von Hunolstein die Veste Hunolstein mit aller Zuhörung. Somit wurden die Hunolsteiner Besitzer der Burg. Jedoch drei Tage später am 3 Juni 1296 wird in einem Vertrag dem Grafen Johann von Salm durch Nicolaus Vogt von Hunolstein und seiner Gattin Beatrix der Wiederkauf der Veste Hunolstein gestattet. Ab 1297 ist Nikolaus I. Besitzer des Allods, der sich nunmehr Vogt und Herr zu Hunolstein nennt. Die Vögte von Hunolstein bleiben bis zum Aussterben der dort ansässigen älteren Linie im Jahre 1487 im Besitz der Burganlage. Nach Aussterben der Linie zog der Erzbischof das heimgefallene Lehen ein. In der Urkunde heißt es unter anderem: "Erzbischof Johann von Trier bekennt, daß, ihm und seinem Stift Trier Schloß und Herrschaft Hunolstein durch Abgang der Vögte von Hunolstein, die alle ohne Mannsleibserben gestorben, heimgefallen ist." Der damalige Erzbischof nahm mit einer bewaffneten Mannschaft Besitz von der Burg und entschädigte die einzige Erbin, die Tochter des Heinrich, Vogt von Hunolstein, Elisabeth, die später den Grafen Salentin von Isenburg heiratete, mit 4000 Florin. Er verwandte weitere 6000 Florin zum Rückkauf verpfändeter Lehen, die zur Herrschaft Hunolstein gehörten. Von da ab, also von 1487 bis zur französischen Okkupation, waren Burg und Herrschaft Hunolstein in unmittelbarem Besitz des Erzbischofs. Im Jahre 1508 übergibt Jakob, Erzbischof von Trier, das Schloß und Amt Hunolstein mit aller Zuhörung dem Salentin Herren zu Isenburg und Neumagen und seiner Gemahlin Elisabeth geborenen von Hunolstein amts-und pfandweise für ein Darlehen von 5000 Gulden. In gleicher Urkunde wird im Anhang weitergeführt, daß Graf Salentin von Isenburg als kurtrierischer Amtmann 2102 Gulden auf Neubauten und Wiederherstellungen verwendete. Der Erzbischof benannte nun einen Amtmann als Verwalter der Burg. Bis zum Jahre 1528 wird Salentin von Isenburg benannt. In den Kirchenbüchern von Morscheid-Walholz wird 1670 ein Rapedius und um 1680 ein Herr Scheffer als Burgverwalter aufgeführt. Einmal spielte die Burg Hunolstein auch in der Geschichte eine Rolle, freilich eine sehr passive. Als Franz von Sickingen im Jahre 1522 die Stadt Trier vergeblich belagert hatte und ohne Erfolg abziehen mußte, suchte er die Burg Hunolstein heim und plünderte sie. Dank der Gewissenhaftigkeit des damaligen Burgverwalters wissen wir heute noch, was alles geraubt wurde. Von der Anlage der Burg Hunolstein können wir uns nur aufgrund von Urkunden aus dem Toepfer einen ungefähren Begriff machen. Die Burg bestand aus einer Befestigungsanlage in Anlehnung an ein Felsmassiv und umfaßte die Unterburg, von der heute nur noch die Ringmauer erhalten ist. Die Oberburg im Bereich des jetzigen Lehnert«schen Hauses, die durch Mauern und eine Brücke mit der Unterburg verbunden war, wies als eigenen Schutz den "äußersten Turm" als Bollwerk auf, woran noch die Bezeichnung "Bollebrück" erinnert. Innerhalb der ausgedehnten Burganlage standen mehrere Häuser auf dem Felsmassiv, davon allein drei Häuser für die Burgherrschaft. Innerhalb der Ringmauer zählte man etwa acht Burgmannshäuser für die Burgmänner, die den Wach- und Verteidigungsdienst versehen mußten. Außerdem stand inmitten der Oberburg eine Kapelle auf dem Platz, auf dem sich auch die spätere Dorfkapelle befand. Daten aus der Burggeschichte 1359 Das Haus das da gelegen ist zwischen der Brücke des obersten Hauses und der Brücke des niederen Hauses. 1373 finden sich die Ober-und die Niederburg sowie der "große runde Turm, genannt der niederste Turm, der allein vor der Burg steht. 1396 "das Faßhaus, als das vordere, das gedeckt ist ... und der Stall, der neben dem Hause (Johanns Vogt v. H. ) steht, vor die Schyren, die yme hider synem Haus abgebrochen ist, sowie die Ringmauer. 1402 Ein Haus unter dem Stein gelegen. 1432 "Burgseßs gelegen inwendig in der Burg zu Hunolstein, derselbe Burgseßs Simonts, Bock selige von Veldenz gewest ist." 1434 "Nemlich die hüser unter der Burg gelegen mit ihrem Zugehör." 1437 "in dat Hußs vor der Burg gelegen, genannt das Scholtissen hußs." 1447 der "große runde Turm, genannt der niederste Turm, der allein vor der Burg steht. 1510/11 von einem neuen Turm, einem neuen Haus vor der Küche und einem neue Stall. 1514 von der äußersten Brücke mit einer Fallbrücke, das Dachwerk auf dem Windelstein, der Fallbrücke und Treppe bei der innersten Pforte (woraus sich wohl auch auf einen doppelten Graben schließen läßt) 1516 von einem abgebrochenen Bollwerk 1517 wird die Gesindestube hergerichtet. Das Backhaus abgebrochen und neu aufgerichtet auf dem Saal, gemauert und neue Fenster in des gnädigsten Junkers Stube und Kammer gemacht. Der Mühle der Schmiede In den Jahren 1519 bis 1528 wurde die Burg umfassend renoviert, wobei mehrere hundert Personen für ihre Dienstleistungen beköstigt wurden. Eine Aufstellung über die Reparatur und den Ausbau der Burg im Jahre 1510 lautet: Û 146 Stück Hausteine für Tür- und Fenstergestelle von Birkenfeld mit 72 Fuhren. Û 111 Wagen Mauersteine - 136 Fuhren Holz - 31 Wagen Kalk von Spang bis Piesport - 81 Fuhren Sand und Schiefer von Neumagen Û 730 Personen Frondienste 1522 von der Küche mit Gewölben, dem Viehhaus, wird 1528 eine Schmiede erbaut. 1664 über das Heppenhaus, das als Schultheißenhaus im Kastell gelegen ist. 1719 Bau eines Schäfereihauses. 1753 Renovation der Churfürstlichen Güter darin genannt: " Positio 1: Dahier zu Hunolstein befindet sich das ganz verfallene alte Schloß, mit seinem ganzen Begriff, Graben, und gegenüber wirklich noch stehendem Turm, so aber von oben herab dergestalten verfallen, daß anjetzo kein Dach mehr darauf ist, in den Ringmauern das alte Schloß stehet dermalen die vor etlichen Jahren neu gebaute Churfürstliche Schäferei nebst des Schäfers Wohnung, im übrigen aber sind die Ringmauern so wohl "äußersten Turm" Dieser Turm stand noch bis zu diesem Jahre. In der Urkunde heißt es: "war von oben herab dergestalten verfallen, daß anjetze kein Dach mehr darauf ist." Damals beantragte Samson Steinmetz aus Hunolstein, daß der Turm abgebrochen werden möge, da er sein danebenstehendes Haus gefährde. Erst nach langwierigen Verhandlungen und Untersuchungen wurde dem Antrag stattgegeben. Die Reihenfolge der Vögte, die von 1190 bis 1487 auf der Burg Hunolstein saßen, ist folgende: Hugo, Vogt von Hunolstein von 1190 bis 1260 Nikolaus I. 1255 verheiratet mit Beatrix von Hagen bis 1312 Johann 1302 verheiratet mit Elisabeth v. Blankenheim bis 1328 Gerhard 1340 verheiratet mit Beatrix von ? bis 1372 Nikolaus III. 1360 verheiratet mit Elisabet von Neuenbaumburg bis 1387 Nikolaus IV. 1391 verheiratet mit Metze von Salm bis 1420 in zweiter Ehe 1401 mit Ida von Erbach Nikolaus V. 1414 verheiratet mit Demut Kämmerer von Worms bis 1450 Heinrich verheiratet mit Elisabeth von Bolchen bis 1486 Nikolaus VI. ledig bis 1487 Zerstört wurde die Burg wahrscheinlich im 30-jährigen Krieg und zwar in der Zeit von 1635-1637 durch die Franzosen und Schweden. Trotz der im 30-jährigen Krieg angerichteten Schäden, blieb die Burg immer noch ein ansehnliches Bauwerk. Ein im französischen Kriegsarchiv aufbewahrter Bericht von 1674 spricht von einem weit besseren baulichen Zustand als bei den anderen trierischen Burgen im Umkreis. Doch auch die Stunde der Burg Hunolstein dürfte spätestens im Zerstörungsjahr 1689 geschlagen haben. Der ganzen alten Herrlichkeit wurde durch die Französische Revolution schließlich um 1800 ein vollständiges Ende bereitet. Da Burg und Hof kirchlicher Besitz waren, wurden sie sekularisiert, d. h. enteignet und als französisches Staatseigentum erklärt. Als solches wurde es veräußert und von einem Kommerzienrat Mathias Josef Hayn aus Trier erworben. Von diesem kaufte Graf Felix von Hunolstein, der zu Homburg bei Diedenhofen wohnte, den ganzen Besitz 1826 für 78 000 Mark zurück und machte daraus ein Stamm- und Familiengut. Dieser Graf Felix Philipp Karl war 1778 geboren, verheiratet 1802 mit Claire de Bourdeille und in zweiter Ehe 1819 mit Sophie-Marie-Charlotte von Hunolstein. Er starb am 19. Oktober 1838. Von diesem kam die Burg in Besitz seines Sohnes Ludwig Maria Paul von Hunolstein, der am 22. Juni 1804 geboren war und in erster Ehe 1830 mit Helene du Bouchet de Sourches verheiratet war und in zweiter Ehe 1844 mit Antoinette Maria Bassompierre. Er starb 1892. Von diesem ging wiederum durch Erbschaft die Burg an seinen Sohn Graf Felix Johann Anton, der 1832 geboren und 1906 verstorben ist. Sein Sohn Graf Edouard Marie Felix übernahm durch Erbschaft die Burg. Er lebte von 1861 bis zum 24. April 1952. Da sein Sohn 1918 starb, kam die Burg in Besitz der Tochter Gräfin A. M. Helene, die 1896 geboren war und 1925 Louis M. Ed. Francois Conte de Dreux-Breze heiratete. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor: Henriette, geboren 1924 00 1952 Harve Joan Conte de la Bretesche . Im Jahre 1957 wurde die Burganlage im Rahmen der Flurbereinigung der Gemeinde Hunolstein übergeben von Contes de la Bretesche, die aus der gräflischen Linie derer von Hunolstein abstammt. 1979 wurden Maßnahmen zur Erhaltung der Burg- und Einfriedungsmauer durchgeführt. Mit der Geschichte der Burg Hunolstein bin ich hiermit in der nicht minder turbulenten Gegenwart angelangt. Was also können Ruinen einer Burganlage den Menschen der Gegenwart bedeuten, abgesehen vom Reiz der romantischen Erscheinung, der Freude am Bild, sei es im Rahmen oder unter Mitwirkung der Natur? Das zuweilen hektische Getriebe unserer Zeit macht es selbst dem gutgesinnten Heimatfreund häufig schwer, sich der Heimatpflege in ausreichendem Maße zu widmen. Aber gerade deshalb darf keine Mühe gescheut werden, sich immer wieder um die Erhaltung und Renovierung der Burg Hunolstein zu bemühen, damit in ihr eine Stätte der Begegnung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, aber auch der Begegnung von Mensch zu Mensch und von Volk zu Volk weiterlebt. So soll sie auch eine Stätte der Erhohlung, der Besinnung und der Freude für alle Menschen und Freunde unserer Heimat bleiben.


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